Ziel: Auf neuen Wegen die Welt der Zahl erkunden

Homburg: Saarpfalz-Gymnasium beteiligt sich an „Kosinus“-Projekt – Weiterentwicklung des Mathematik-Unterrichts im Blickpunkt

Von Rheinpfalz-Mitarbeiter Christian Hamm

Lieblingsfach Mathe? Mancher wendet sich mit Grausen. Seit Generationen schon dürfte die Mathematikstunde nicht gerade die beliebteste Herausforderung im Fächerkanon sein. Den bislang oft spröden Mathe-Unterricht neu zu erfinden, das wird wohl auch den Mitstreitern des Projekts „Kosinus“ nicht gelingen. Auf bestem Weg indes sind Lehrer und Projektbegleiter im gemeinsamen Bemühen, mit neuen Methoden Lehr- und Lernerfolge zu erzielen. Das Saarpfalz-Gymnasium mischt da kräftig mit.

„Kompetenzorientierung und neue Aufgabenkultur“ – modisch klingende Begriffe, die sich recht gut anhören. Und die Praxis? Schüler stecken die Köpfe zusammen, während sich der Lehrer ungestört drei Besuchern in der letzten Reihe widmen kann. Zwei Neuntklässlerinnen verabreden sich über Tische hinweg, treffen sich am Fenster, um anscheinend einen Plausch zu halten. Das mutet kurios an, ist es aber gar nicht. Die Sache macht Sinn. Auch wenn der sich erst erschließt, sobald mal näher erklärt wird, was sich da eigentlich tut.

Manuel Garcia liebt die Mathematik und mehr noch seine Aufgabe, junge Leute durch deren mystische Welt zu führen. Der Gymnasiallehrer geht bei „Kosinus“ weiter als seine Kollegen. Er mischt nicht nur mit bei dem Versuch, den Unterricht moderner, innovativer und lebendiger zu gestalten und damit auch die Lernerfolge seiner Schützlinge zu verbessern. Garcia fungiert zudem als Berater. Er bringt Fach-Kollegen an anderen saarländischen Schulen Inhalt, Struktur und Ziel von „Kosinus“ näher. Jetzt hat Garcia einmal Einblick in eine Mathestunde gegeben.

Die Schüler selbstständig mit einer schönen Portion Eigenverantwortung gemeinsam arbeiten lassen – das spielt in der Mathestunde eine zentrale Rolle. Besagte Schülerinnen hielten am Fenster nicht etwa ein Schwätzchen, sondern erörterten die gestellte Aufgabe, verglichen Ansätze, diskutierten Lösungswege und das Resultat. Frontal-Unterricht mit einem Alleinunterhalter an der Tafel und stur abschreibenden Schülern, das war gestern.

So sieht das Konzept aus. „Wir müssen den Schülern mehr vertrauen, ihnen mehr zutrauen“, erläutert Garcia zusammen mit Margit Recktenwald, die am Saarpfalz-Gymnasium die Fachkonferenz der Mathematiklehrer leitet. „Alle Kollegen müssen mitziehen, das ist Grundvoraussetzung bei ‚Kosinus‘“, erläutert Recktenwald – und hat ein Lob parat. Wie das gesamte Kollegium da an einem Strang ziehe, das sei schon klasse.

Klasse findet’s auch Matthias Römer. Der ist selbst Lehrer, fungiert aber auch in seiner Eigenschaft als wissenschaftlicher Begleiter als Ansprechpartner für die an „Kosinus“ beteiligten Schulen. Initiiert haben das Projekt die Universität des Saarlandes und das unter dem Dach der Hochschule wirkende Landesinstitut für Pädagogik und Medien, für das wiederum Römer als Mittler zu Schulen und ihren Fachlehrern fungiert.

Wie üblich, wenn Wissenschaftler Dinge mit wohlfeilen Formulierungen fundiert darstellen, klingt manches wenig konkret. Der Sinn aber leuchtet ein: Schulen beziehungsweise deren Mathematiklehrer nutzen ein Fortbildungsangebot, das ihnen ermöglichst, den Unterricht interessanter, vor allem aber effektiver zu gestalten. Das wiederum soll Schülern zugute kommen, die durch bessere Methoden leichter lernen, besser reflektieren und letztlich besser verstehen sollen, wie die große Welt der Zahlen funktioniert.

- aus der Rheinpfalz vom 9.11.2011 -

Stichwort: Kosinus

Im Projekt „Kosinus“ - die Abkürzung steht für „Kompetenzen stärken im Mathematikunterricht der Sekundarstufen im Saarland“ – werden die Mathematik-Lehrer einer Schule in ihrer Unterrichts-Entwicklung unterstützt. Es geht, vereinfacht gesagt, darum, den Unterricht didaktisch und methodisch neu auszurichten. Dabei werden zuerst die Lehrer flottgemacht, die ihre Unterrichtsarbeit verbessern können. Damit einher geht – so der Gedanke – eine nachhaltigere und bessere Ausbildung der Schüler. Die Kosinus-Initiatoren sind die Saar-Universität und das Landesinstitut für Pädagogik und Medien. (cha)

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